Wohin entwickelt sich die Energieversorgung?
Die im Energiekonzept der Bundesregie rung erklärten Klimaschutzziele, die un ter anderem eine Reduzierung der Treib hausgase um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 vorsehen, werden durch den parallel dazu beschlossenen Atomausstieg noch ambi tionierter. Realisiert werden soll dies etwa dadurch, dass der Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 um 20 Prozent bis 2020 reduziert wird (Quelle: Bundesumwelt ministerium, www.bmu.de).
Konventionelle Kraftwerke als Reserve
Zur Kompensation der stillgelegten Kraft werkskapazitäten wird es insbesondere ab Herbst und natürlich im Winter dieses Jah res notwendig sein, alle vorhandenen kon ventionellen Kraftwerke ans Netz zu neh men. Es werden zwangsläufig vorallem die alten Kraftwerksblöcke sein, die bisher als Reserve dienten. Deren Effizienz liegt weit unter der neuer Kraftwerke. Die Emission von Treibhausgasen wird zunächst also nicht sinken, sondern steigen. Wie können wir dieses Dilemma lösen?
Wenn wir etwa den Strombedarf von Bad Wildbad, rund 55 Millionen Kilo wattstunden im Jahr, regenerativ erzeu gen wollen, wäre dafür ein Solarfeld von 1.100 mal 600 Meter Fläche notwendig. Die gleiche Energiemenge könnten auch 8 Windkraftanlagen, allerdings abhängig von Standort und installierter Leistung, erbringen. Diese Anlagen erreichen heute eine Gesamthöhe von 140 Metern.
Noch keine konstante Energieerzeugung möglich
Beide Kraftwerkstypen liefern den Strom leider nicht Tag und Nacht und bei jedem Wetter. Bei der Solarenergie stehen maxi mal 900 Volllaststunden im Jahr zur Ver fügung, bei der Windkraft sind es in unse ren Breiten bis zu 2.200 Stunden im Jahr. Wohin entwickelt sich die Energieversorgung? Sowohl wir als Verbraucher als auch die Industrie benötigen aber an 8.760 Stun den im Jahr den Strom. Hier gilt es, durch geeignete Speicher – etwa Pumpspeicher kraftwerke – Stromangebot und Nach frage in Einklang zu bringen.
Kontinuierlicher stellen Wasserkraftan lagen und Kraftwerke auf der Basis von Biomasse die benötigte Energie bereit. Beim Ausbau der Wasserkraft sind aber die Vorschriften der Gewässerdurchgän gigkeit zu beachten. In vielen Fällen stel len die Auflagen zur Restwassermenge die Wirtschaftlichkeit der gesamten An lage in Frage. Die Biomassekraftwerke konkurrieren natürlich mit den Anbauflä chen für Lebensmittel. Aber hier ist be stimmt eine Lösung möglich.
Netzausbau muss oberste Priorität haben
In allen Fällen müssen wir als Stadtwerke und Netzbetreiber die regenerativen Ener gien in unser Netz integrieren. Auch die Bundesregierung hat inzwischen verstan den, dass dem Netzausbau oberste Prio rität eingeräumt werden muss.
Doch Absichtserklärungen allein wer den nicht ausreichen, um die notwendigen Investitionen zu realisieren. Hier wäre man gut beraten, die Netzbetreiber von über zogener Bürokratie zu entlasten und die notwendigen finanziellen Mittel mit Hilfe eines Investitionsprogramms günstig zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch für die Verkürzung der Genehmigungsverfah ren für Windkraftanlagen.
Eine Investition in die Zukunft wäre dies allemal. Vielleicht ein Ansatz, über den die Bundesregierung nachdenken sollte, bevor sie wieder selbstlos Milliardenbe träge in irgendwelche Rettungsfonds in vestiert. Investitionspotenzial in heimi schen Gefilden gäbe es genug.
Herzlichst Ihr Peter Buhl